Die kurze Antwort
Für die Literaturrecherche zur Bachelorarbeit zerlegst du deine Forschungsfrage in zwei bis vier Konzepte, sammelst zu jedem Synonyme und englische Begriffe, verknüpfst sie mit UND und ODER und suchst damit im Bibliothekskatalog, in Google Scholar und in mindestens einer Fachdatenbank deines Fachs. Die besten Treffer erweiterst du über das Schneeballsystem, du sichtest erst Titel und Abstract, notierst jede Suche in einem Suchprotokoll und hörst auf, wenn neue Quellen nur noch Arbeiten zitieren, die du schon hast.
Der Rest dieser Seite ist dieses Vorgehen Schritt für Schritt, mit einem durchgehenden Beispiel. Die Beispielfrage lautet: Wie wirkt sich Gamification auf die Lernmotivation von Schülerinnen und Schülern aus?
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Womit fängt die Recherche an?
Mit einer vorläufigen Forschungsfrage. Sie muss noch nicht fertig sein, aber ohne sie weißt du nicht, wonach du suchst, und sammelst alles, was irgendwie zum Thema passt. Wenn du noch keine hast, lies zuerst wie man eine Forschungsfrage formuliert.
Der zweite Schritt ist ein Überblick, bevor du in Datenbanken gehst. Gut geeignet sind ein aktuelles Lehrbuch oder Handbuch deines Fachs und ein oder zwei Übersichtsartikel (Reviews) zum Thema. Sie liefern dir drei Dinge auf einmal: die Fachbegriffe, mit denen das Feld selbst arbeitet, die Namen der Autorinnen und Autoren, die immer wieder auftauchen, und ein Literaturverzeichnis, das du später für das Schneeballsystem nutzt. Wikipedia darf für diesen ersten Überblick herhalten, zitiert wird es in der Arbeit nicht.
Wie findest du die richtigen Suchbegriffe?
Zerlege die Frage in ihre Konzepte und sammle zu jedem Konzept alle Wörter, mit denen andere dasselbe bezeichnen: Synonyme, Ober- und Unterbegriffe, englische Entsprechungen und Schreibvarianten. Die meiste Forschung erscheint auf Englisch, auch zu deutschen Themen. Für das Beispiel sieht das so aus:
| Konzept | Deutsch | Englisch |
|---|---|---|
| Gamification | Gamification, Gamifizierung, spielbasiertes Lernen | gamification, game-based learning |
| Lernmotivation | Lernmotivation, Motivation, Engagement | learning motivation, motivation, engagement |
| Schule | Schule, Schülerinnen und Schüler, Grundschule | school, primary school, secondary school |
Die Liste wächst während der Suche. Jeder gute Treffer zeigt dir, welche Begriffe in seinem Titel, seinem Abstract und seinen Schlagwörtern stehen, und genau diese Begriffe gehören in deine Tabelle.
Schlagwörter sind mehr als Stichwörter. Viele Datenbanken vergeben ein kontrolliertes Vokabular: PubMed die MeSH-Begriffe (Medical Subject Headings), PsycInfo einen eigenen Thesaurus, deutsche Bibliothekskataloge Schlagwörter aus der Gemeinsamen Normdatei (GND). Eine Suche über das Schlagwort findet Arbeiten auch dann, wenn die Autorin im Titel ein anderes Wort benutzt hat. Klick bei einem passenden Treffer auf seine Schlagwörter und sieh nach, was dort noch steht.
Wie kombinierst du Suchbegriffe?
Mit Booleschen Operatoren. Die Regel, die fast alles erledigt: Innerhalb eines Konzepts verknüpfst du mit ODER, zwischen den Konzepten mit UND. In den meisten Datenbanken schreibst du die Operatoren englisch.
- AND verengt: Beide Begriffe müssen vorkommen.
- OR erweitert: Mindestens einer der Begriffe muss vorkommen.
- NOT schließt aus. Sparsam einsetzen, weil es auch passende Treffer entfernt, die den Begriff nur nebenbei nennen.
- Anführungszeichen suchen eine Wortgruppe als Ganzes, etwa "game-based learning".
- Trunkierung mit Sternchen findet Wortvarianten: motivat* findet motivation, motivational und motivated.
- Klammern legen fest, was zusammengehört, genau wie in der Mathematik.
Aus der Tabelle oben wird so ein Suchstring:
(gamification OR Gamifizierung OR "game-based learning") AND (motivat* OR engagement) AND (school* OR Schule OR Schüler*)
Die Syntax unterscheidet sich zwischen Datenbanken. Google Scholar kennt zum Beispiel keine Trunkierung, versteht OR und Anführungszeichen, verknüpft Leerzeichen automatisch mit UND und schließt mit einem Minuszeichen aus. Lies bei jeder Datenbank kurz die Hilfeseite zur Suche, bevor du deinen String übernimmst, und probiere die erweiterte Suche, die meist Felder wie Titel, Abstract und Erscheinungsjahr getrennt anbietet. Wie du den String bei einer reinen Literaturarbeit im Methodikteil offenlegst, steht in Methodik bei einer Literaturarbeit.
Welche Datenbanken passen zu deinem Fach?
Du brauchst drei Ebenen: den Katalog deiner Bibliothek für Bücher und alles, was vor Ort verfügbar ist, eine fachübergreifende Suche für die Breite und mindestens eine Fachdatenbank für die Tiefe.
Der Bibliothekskatalog (oft noch OPAC genannt) ist an vielen Hochschulen inzwischen ein Discovery-System, das neben Büchern auch Zeitschriftenartikel findet. Was deine Bibliothek nicht hat, findest du im Karlsruher Virtuellen Katalog (KVK), der viele Kataloge auf einmal durchsucht, und bestellst es per Fernleihe. Die Fernleihe dauert meist einige Tage bis Wochen und kostet oft eine kleine Gebühr, also nicht erst in der letzten Woche bestellen.
| Fach | Datenbank | Zugang |
|---|---|---|
| Fachübergreifend | Google Scholar; BASE (Bielefeld Academic Search Engine, Open Access); Web of Science und Scopus (Zitationsdatenbanken) | Scholar und BASE frei, Web of Science und Scopus über die Bibliothek |
| Wirtschaft | EconBiz (ZBW); WISO (deutschsprachige Fachliteratur und Presse); Business Source (EBSCO) | EconBiz frei, WISO und Business Source über die Bibliothek |
| Psychologie | PsycInfo (American Psychological Association); PSYNDEX (Psychologie aus dem deutschsprachigen Raum) | über die Bibliothek; PSYNDEX-Nachweise auch im freien Portal PubPsych |
| Medizin, Gesundheit | PubMed; Cochrane Library (systematische Reviews) | PubMed frei, Volltexte je nach Lizenz |
| Pflege | CINAHL; dazu PubMed | CINAHL über die Bibliothek |
| Bildung, Pädagogik | Fachportal Pädagogik (mit der FIS Bildung Literaturdatenbank); ERIC (englischsprachig) | beide frei durchsuchbar |
| Sozialwissenschaften | SSOAR (Open-Access-Repositorium von GESIS); dazu Web of Science oder Scopus | SSOAR frei |
| Informatik | IEEE Xplore; ACM Digital Library; dblp (Bibliografie, ohne Volltexte) | Suche frei, Volltexte je nach Lizenz oder Open Access |
| Recht | beck-online; juris | über die Bibliothek |
Welche lizenzierten Datenbanken du tatsächlich nutzen kannst, zeigt das Datenbank-Infosystem (DBIS): Wähle deine Hochschule, dann dein Fach, und DBIS markiert, was frei, was für deine Einrichtung lizenziert und was nicht zugänglich ist. Für Zeitschriften leistet die Elektronische Zeitschriftenbibliothek (EZB) dasselbe. Von zu Hause erreichst du lizenzierte Inhalte über das VPN deiner Hochschule oder über den Hochschul-Login, den viele Verlagsseiten als „Zugang über Institution“ anbieten.
Zwei kleine Einstellungen sparen viel Zeit: In Google Scholar kannst du unter Einstellungen, Bibliothekslinks, deine Hochschule eintragen, dann erscheinen Volltextlinks deiner Bibliothek direkt neben den Treffern. Und die kostenlose Browser-Erweiterung Unpaywall zeigt an, ob es von einem Artikel eine legale frei zugängliche Fassung gibt.
Wie funktioniert das Schneeballsystem?
Du gehst von einer guten Quelle aus und folgst ihren Zitationen in zwei Richtungen.
- Rückwärts: Du liest das Literaturverzeichnis der Quelle. Werke, die in mehreren deiner guten Quellen zitiert werden, sind mit hoher Wahrscheinlichkeit die Grundlagenarbeiten des Feldes. Diese Richtung führt immer in die Vergangenheit.
- Vorwärts: Du suchst, wer die Quelle später zitiert hat. In Google Scholar steht dafür unter jedem Treffer „Zitiert von“, Web of Science und Scopus zeigen dasselbe. So findest du neuere Arbeiten, die auf der Quelle aufbauen oder ihr widersprechen.
Der beste Startpunkt ist ein aktueller Übersichtsartikel, weil er das Feld schon geordnet hat. Die Grenze des Verfahrens: Es findet nur, was miteinander verbunden ist. Arbeiten aus einer anderen Disziplin oder Sprache, die das Thema mit anderen Begriffen behandeln, erreichst du so nicht. Deshalb ist das Schneeballsystem die Ergänzung zur Datenbanksuche, nicht ihr Ersatz.
Welche Quellen taugen für die Arbeit?
Sichte in Stufen, statt jeden Treffer ganz zu lesen: erst der Titel, dann das Abstract, dann Einleitung und Fazit, und nur was diese drei Stufen übersteht, liest du vollständig. So bleiben aus hundert Treffern meist eine Handvoll, die wirklich zu deiner Frage gehören.
Für die Stufe dazwischen helfen fünf Fragen:
- Passt sie zur Frage? Nicht zum Thema allgemein, sondern zu deiner Frage.
- Ist sie begutachtet? Artikel in Fachzeitschriften mit Peer-Review, Monografien und Sammelbände aus Fachverlagen sind der Normalfall. Ob eine Zeitschrift begutachtet, steht auf ihrer Website.
- Ist sie aktuell genug? In schnellen Feldern zählt der Stand der letzten Jahre, Grundlagenwerke bleiben trotzdem zitierfähig, auch wenn sie alt sind.
- Ist das Vorgehen nachvollziehbar? Bei Studien: Wer wurde wie untersucht, und tragen die Daten die Schlussfolgerung?
- Ist es die Originalquelle? Wenn ein Lehrbuch eine Studie zusammenfasst, suchst du die Studie selbst. Zitate aus zweiter Hand sind nur eine Notlösung, wenn das Original nicht zu beschaffen ist.
Zitationszahlen sind ein Hinweis, kein Gütesiegel. Neue Arbeiten hatten noch keine Zeit, zitiert zu werden, und auch kritisierte Arbeiten werden oft zitiert. Blogs, Wikipedia und Presseartikel sind als Beleg für wissenschaftliche Aussagen in der Regel ungeeignet. Wenn du sie als Gegenstand untersuchst, etwa die Berichterstattung über ein Thema, ist das etwas anderes, und wie du sie dann korrekt angibst, steht in Internetquellen zitieren.
Wie dokumentierst du die Recherche?
Mit zwei Werkzeugen: einem Suchprotokoll für das, was du gesucht hast, und einer Literaturverwaltung für das, was du gefunden hast. Das Protokoll ist eine einfache Tabelle, eine Zeile pro Suche. Eine Beispielzeile:
| Datum | Datenbank | Suchstring | Filter | Treffer | Relevant |
|---|---|---|---|---|---|
| 08.10. | Fachportal Pädagogik | Gamification AND Lernmotivation | ab 2015, Deutsch und Englisch | Zahl eintragen | Zahl eintragen |
Das kostet pro Suche eine Minute und erspart dir zwei Probleme: Du suchst nicht dreimal dasselbe, und du kannst deiner Betreuung zeigen, wo du gesucht hast und warum dort nichts mehr kam. Bei einer reinen Literaturarbeit ist das Protokoll ohnehin Teil der Methode.
Jede Quelle, die du behalten willst, kommt sofort in die Literaturverwaltung, nicht in einen Ordner voller PDFs mit Dateinamen wie „download(3).pdf“. Zotero ist kostenlos und quelloffen und übernimmt Titel aus dem Browser, per DOI oder ISBN. Citavi ist an deutschen Hochschulen verbreitet, aber mehrere Hochschulen beenden ihre Campuslizenz. Wenn du Citavi nutzt, lies vorher was passiert, wenn die Citavi-Lizenz ausläuft. Aus der Literaturverwaltung entsteht am Ende das Literaturverzeichnis fast von selbst.
Beim Lesen notierst du zu jeder Quelle die Kernaussage, die Methode und die Seitenzahl jeder Stelle, die du verwenden willst, und trennst dabei sichtbar, was wörtlich übernommen ist und was deine eigene Formulierung ist. Diese Trennung schützt dich später vor einem unabsichtlichen Plagiat. Wer am Ende unsicher ist, ob Sätze zu nah an einer Quelle geblieben sind, kann den Text mit dem kostenlosen Plagiat-Check prüfen.
Wie viel Literatur, und wann hörst du auf?
Eine verbindliche Quellenzahl gibt es nicht, und Faustregeln wie „eine Quelle pro Seite“ sind keine Vorschrift. Wenn dein Institut eine Mindestzahl nennt, gilt diese. Sonst zählt, ob die zentralen Arbeiten zu deiner Frage dabei sind, auch die, die deiner Erwartung widersprechen, und ob jede Behauptung in der Arbeit belegt ist.
Drei Zeichen, dass die erste Recherche reicht:
- Neue Treffer zitieren fast nur noch Arbeiten, die du schon hast.
- Deine Suchen in verschiedenen Datenbanken liefern immer wieder dieselben Titel.
- Du kannst den Forschungsstand zu deiner Frage in fünf Sätzen erklären, mit Namen.
Zeitlich ist ein Block von zwei bis drei Wochen am Anfang der Bearbeitungszeit ein realistischer Rahmen für diese erste Runde. Danach wird gezielt weitergesucht: Beim Schreiben merkst du, wo ein Beleg fehlt, und schließt diese Lücke mit einer einzelnen Suche, statt die Recherche neu zu beginnen.
Die häufigsten Fehler
- Nur Google Scholar. Ohne Bibliothekskatalog und Fachdatenbank fehlen vor allem Bücher und deutschsprachige Fachliteratur.
- Nur deutsche Suchbegriffe. Damit siehst du einen kleinen Teil der Forschung, auch bei Themen aus dem deutschen Kontext.
- Erst sammeln, dann ordnen. Wer Quellen ohne Literaturverwaltung und ohne Notizen sammelt, sucht Wochen später nach der Seitenzahl eines Zitats.
- Alles vollständig lesen. Die gestufte Sichtung ist kein Abkürzen, sondern die normale Arbeitsweise in der Forschung.
- Einem Chatbot Literaturangaben glauben. Allgemeine Chatbots erzeugen Angaben, die echt aussehen und nicht existieren. Welche KI-Werkzeuge für die Recherche taugen und wie du jede Angabe prüfst, steht in KI für die Literaturrecherche.
- Kein Ende finden. Recherche fühlt sich produktiver an als Schreiben. Wenn die Zeichen oben erfüllt sind, fang an zu schreiben.
Häufig gestellte Fragen
Wie gehe ich bei der Literaturrecherche für die Bachelorarbeit vor?
Zerlege deine Forschungsfrage in zwei bis vier Konzepte und sammle zu jedem Synonyme, englische Begriffe und Fachschlagwörter. Verknüpfe sie mit UND und ODER, suche im Bibliothekskatalog, in Google Scholar und in mindestens einer Fachdatenbank deines Fachs, und erweitere die besten Treffer über das Schneeballsystem. Sichte zuerst Titel und Abstract, notiere jede Suche in einem Suchprotokoll und speichere alles direkt in einer Literaturverwaltung.
Welche Datenbanken sollte ich für die Literaturrecherche nutzen?
Immer den Katalog deiner Hochschulbibliothek und Google Scholar, dazu mindestens eine Fachdatenbank: PubMed für Medizin, CINAHL für Pflege, PsycInfo oder PSYNDEX für Psychologie, EconBiz oder WISO für Wirtschaft, das Fachportal Pädagogik für Bildung, IEEE Xplore oder die ACM Digital Library für Informatik. Welche lizenzierten Datenbanken du nutzen kannst, zeigt das Datenbank-Infosystem DBIS für deine Hochschule.
Wie lange dauert die Literaturrecherche für eine Bachelorarbeit?
Eine feste Dauer gibt es nicht. Ein realistischer Rahmen für die konzentrierte erste Recherche sind zwei bis drei Wochen am Anfang der Bearbeitungszeit. Danach endet die Recherche nicht, sondern läuft gezielt weiter: Beim Schreiben tauchen Lücken auf, die du mit einzelnen Suchen schließt.
Wie viele Quellen braucht eine Bachelorarbeit?
Es gibt keine allgemeingültige Zahl, und Faustregeln wie eine Quelle pro Seite sind keine Vorschrift. Entscheidend ist, ob die zentralen Arbeiten zu deiner Frage dabei sind und ob jede Behauptung belegt ist. Wenn dein Institut eine Mindestzahl vorgibt, gilt diese.
Wie dokumentiere ich meine Literaturrecherche?
Mit einem Suchprotokoll: Für jede Suche notierst du Datum, Datenbank, den genauen Suchstring, die gesetzten Filter, die Zahl der Treffer und wie viele davon relevant waren. Die gefundenen Titel speicherst du in einer Literaturverwaltung wie Zotero. Bei einer reinen Literaturarbeit gehört dieses Protokoll in den Methodikteil oder in den Anhang.
Darf ich Google Scholar für die Bachelorarbeit benutzen?
Ja. Google Scholar ist ein guter Einstieg und besonders nützlich für das Vorwärts-Schneeballsystem über die Funktion „Zitiert von“. Allein reicht es aber selten, weil es keine Trunkierung kennt, nicht nach Begutachtung filtert und deutschsprachige Fachliteratur schlechter abdeckt als der Bibliothekskatalog oder Fachdatenbanken.
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