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Turnitin Plagiat: Was der Similarity Report wirklich zeigt

Die kurze Antwort

Turnitin prüft deine Arbeit nicht auf Plagiat, sondern vergleicht sie mit einer großen Datenbank aus Internetseiten, Fachpublikationen und früher eingereichten studentischen Arbeiten und markiert jede Übereinstimmung. Der Prozentwert im Similarity Report ist der Anteil deines Textes, der irgendwo übereinstimmt, auch korrekt zitierte Stellen. Er ist kein Plagiatsurteil, und es gibt keinen Wert, ab dem eine Arbeit automatisch als Plagiat gilt. Ob ein Plagiat vorliegt, entscheiden die Lehrenden und das Prüfungsgremium deiner Hochschule nach dem Blick auf die einzelnen Treffer.

Das sagt nicht nur diese Seite. Turnitin schreibt in seinem Leitfaden für Studierende wörtlich: „Turnitin does not check for plagiarism.“ Was das Werkzeug stattdessen tut, erklären die folgenden Abschnitte, jeweils mit Turnitins eigener Dokumentation als Quelle.

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Wie funktioniert die Turnitin Plagiatsprüfung?

Wenn du oder deine Hochschule eine Arbeit hochlädt, zerlegt Turnitin den Text und sucht in seinen Datenbanken nach gleichen oder sehr ähnlichen Passagen. Laut der Übersicht zum Similarity Report können das je nach Einstellung sein:

  • aktuelle und archivierte Internetseiten,
  • Zeitschriften, Fachjournale und Publikationen,
  • früher eingereichte Arbeiten, auch von anderen Studierenden.

Welche dieser Datenbanken für eine Aufgabe genutzt werden, stellt die Lehrperson ein. Ein Bericht entsteht ab 20 Wörtern. Jede gefundene Übereinstimmung wird im Text farbig markiert und einer Quelle zugeordnet.

In der neueren Version des Berichts ordnet Turnitin jeden Treffer zusätzlich einer von vier Gruppen zu, je nachdem, ob Anführungszeichen und Beleg vorhanden sind:

Gruppe im BerichtWas sie bedeutet
Not Cited or QuotedÜbereinstimmung ohne Anführungszeichen und ohne Beleg
Missing Quotationsbelegt, aber so wörtlich, dass Anführungszeichen fehlen könnten
Missing Citationin Anführungszeichen, aber ohne Quellenangabe
Cited and Quotedzitiert und belegt

Diese Gruppen sind für dich wichtiger als die Gesamtzahl. Die erste Gruppe ist die, auf die Prüfende zuerst schauen. Die letzte ist korrektes wissenschaftliches Arbeiten, das trotzdem im Prozentwert steckt.

Was bedeutet der Turnitin Prozentwert?

Der Similarity Score ist der Anteil übereinstimmender Wörter an allen Wörtern deiner Arbeit. Turnitin berechnet ihn laut eigener Dokumentation, indem die Zahl der übereinstimmenden Wörter durch die Gesamtzahl der Wörter geteilt wird.

Was der Wert bedeutet, und was nicht:

  • Er bedeutet: So viel deines Textes stimmt mit irgendetwas in den gewählten Datenbanken überein.
  • Er bedeutet nicht: So viel deines Textes ist plagiiert. Turnitin schreibt im Studierenden-Leitfaden, dass auch korrekt verwendete Zitate und Belege als Treffer markiert werden.
  • Ein hoher Wert ist kein Beweis. In seinem Leitfaden für Lehrende nennt Turnitin längere Arbeiten und Literaturübersichten mit vielen Zitaten als Gründe für natürlich höhere Werte.
  • Ein niedriger Wert ist kein Freispruch. Derselbe Leitfaden sagt, dass ein niedriger Wert nicht garantiert, dass kein Plagiat vorliegt, etwa bei Ghostwriting oder maschinell umgeschriebenem Text.

Auch die Farbe des Berichts ist nur eine Mengenangabe. In der klassischen Ansicht steht Blau für keine Übereinstimmung, Grün für ein Wort bis 24 %, Gelb für 25 bis 49 %, Orange für 50 bis 74 % und Rot ab 75 %, wobei Turnitin darauf hinweist, dass die Farben je nach Integration abweichen können. Eine Farbe ist keine Bewertung deiner Arbeit.

Welche Filter setzen Lehrende?

Derselbe Text kann in zwei Berichten zwei sehr unterschiedliche Werte haben, je nachdem, welche Filter aktiv sind. Turnitin beschreibt in „How exclusion filters refine the Similarity Report“ diese Ausschlüsse:

FilterWas er ausblendet
Exclude bibliographydas Literaturverzeichnis, erkannt an Überschriften wie „References“ oder „Literature“
Exclude quoted textText in Anführungszeichen oder als Blockzitat
Exclude cited textbelegte Sätze samt Quellenangabe (nur im neuen Bericht)
Exclude small matcheskurze Treffer unter einer Wortzahl, standardmäßig 8 Wörter (nur im neuen Bericht)
Exclude small sourcesQuellen mit nur geringem Anteil (nur im klassischen Bericht)

Daraus folgt: Ein Prozentwert ohne die Angabe, welche Filter aktiv waren, sagt wenig. Wenn dir jemand eine Zahl nennt, frag nach, ob Literaturverzeichnis und Zitate ausgeschlossen waren. Bei deutschsprachigen Arbeiten lohnt die Frage besonders: Bei nicht englischen Texten erkennt Turnitin das Literaturverzeichnis an typischen Anfangs- und Endformulierungen, und was dabei durchrutscht, zählt mit.

Ab wie viel Prozent ist es ein Plagiat?

Es gibt keine solche Grenze. Turnitin schreibt im Studierenden-Leitfaden, es gebe keine feste Zahl, die man erreichen müsse, und jede Hochschule, jede Lehrperson und jede Aufgabe könne einen anderen Anteil für akzeptabel halten. Im Leitfaden für Lehrende steht, dass sich Plagiat nicht allein am Wert ablesen lässt und Kontext, Zitierweise und das Verständnis der Studierenden mit beurteilt werden müssen.

Was Prüfende wirklich ansehen, ist die längste zusammenhängende Übereinstimmung, wo im Text sie liegt und ob eine Quelle danebensteht. Warum 20 % harmlos und 3 % ein Problem sein können, haben wir ausführlich in Wie viel Prozent Plagiat sind erlaubt? beschrieben. Was überhaupt als Plagiat gilt, steht in Was ist ein Plagiat?

Was tun, wenn dein Turnitin-Wert hoch ist?

Ein hoher Wert ist zuerst einmal eine Einladung, den Bericht zu lesen, nicht ein Urteil. Geh so vor:

  1. Schau, welche Filter aktiv waren. Ohne ausgeschlossenes Literaturverzeichnis und ohne ausgeschlossene Zitate steigt der Wert bei jeder quellenreichen Arbeit.
  2. Sortiere nach den vier Gruppen.Treffer unter „Cited and Quoted“ sind korrekte Zitate. Wichtig sind „Not Cited or Quoted“ und „Missing Quotations“.
  3. Schau dir die größten Einzelquellen an. Viele kleine Treffer aus vielen Quellen sind typisch für eine Literaturarbeit. Ein langer Block aus einer Quelle ist das, was Prüfende ernst nehmen.
  4. Ergänze fehlende Belege und Anführungszeichen, wenn du vor der Abgabe noch ändern kannst.
  5. Erkläre, statt zu streiten. Wenn jemand dich auf den Wert anspricht, zeig Stelle für Stelle, wo die Quelle steht. Eine Diskussion über die Zahl selbst bringt wenig.

Kann ich Turnitin als Student selbst nutzen?

Turnitin wird über Hochschulen lizenziert, nicht an einzelne Studierende verkauft. Ob und wie du es nutzen kannst, entscheidet deine Hochschule:

  • Ob du den Bericht siehst, stellt die Lehrperson ein. Turnitin nennt im Studierenden-Leitfaden als einen Grund für einen fehlenden Wert, dass die Lehrperson den Zugriff abgeschaltet hat.
  • Draft Coach ist Turnitins Werkzeug für Entwürfe in Google Docs oder Word Online. Laut Turnitins FAQ muss deine Hochschule es lizenziert und eingerichtet haben, es funktioniert nicht in der Desktop-Version von Word, und die Entwürfe werden nicht in der Datenbank gespeichert.
  • Eigener Zugang: Manche Hochschulen geben Studierenden direkten Zugriff, andere nicht. Beispiele folgen im nächsten Abschnitt.

Wie nutzen deutsche Hochschulen Turnitin?

Sehr unterschiedlich. Drei Beispiele aus den Seiten der Hochschulen selbst:

  • Universität des Saarlandes: Laut ihrer Turnitin-Seite können alle Mitglieder der Universität Turnitin mit ihrer Kennung nutzen, Studierende also auch zur eigenen Prüfung. Details in unserer Seite zur Plagiatsprüfung an der Uni Saarland.
  • Universität Kassel: Laut IT Servicezentrum nutzen vor allem Lehrende Turnitin, Studierende in ausgewählten Lehrveranstaltungen nach Rücksprache. Lehrende müssen vor dem Hochladen personenbezogene Daten entfernen, und Texte können dauerhaft oder nur vorübergehend in der Datenbank gespeichert werden.
  • TUM School of Engineering and Design: Zugang nur für Beschäftigte, begrenzt auf wenige Personen pro Lehrstuhl.

Welche Software an vielen weiteren Hochschulen läuft, ob Turnitin, Docoloc oder ein anderes System, und wo das öffentlich dokumentiert ist, steht in unserer Übersicht Plagiatsprüfung an Hochschulen.

Ein praktischer Punkt zur Speicherung: Wenn deine früheren Arbeiten in der Datenbank liegen, erscheinen sie als Treffer, sobald du auf ihnen aufbaust. Das ist lösbar, indem du dich selbst zitierst und es mit deiner Betreuung absprichst.

Turnitin Plagiat und KI: zwei verschiedene Prüfungen

Der Similarity Report und Turnitins KI-Indikator sind zwei getrennte Dinge. Der Similarity Report sucht eine Quelle, mit der dein Text übereinstimmt. Frisch erzeugter KI-Text hat meist keine solche Quelle und fällt dort deshalb in der Regel nicht auf. Der KI-Indikator schätzt dagegen anhand von Sprachmustern, wie maschinell ein Text wirkt, ganz ohne Quelle. Ob er bei dir aktiv ist, entscheidet deine Hochschule.

Was die KI-Prozentzahl bedeutet und was du tun kannst, wenn deine Arbeit markiert wurde, steht in Turnitin KI-Erkennung: was die Prozentzahl bedeutet. Ob KI-Text überhaupt ein Plagiat ist, klärt ChatGPT und Plagiat.

Was du vor der Abgabe tun kannst

  1. Frag, ob du einen Testlauf machen kannst. Manche Hochschulen erlauben einen eigenen Upload oder richten Draft Coach ein.
  2. Setze jedes wörtliche Zitat in Anführungszeichen. Dann landet es bei aktivem Filter nicht im Wert und in der richtigen Gruppe.
  3. Belege auch Paraphrasen. Eine Umformulierung ohne Quelle ist der Fall, den Turnitin oft nicht findet und der trotzdem ein Plagiat ist.
  4. Kennzeichne Wiederverwendung eigener Texte.
  5. Lies deine Quellenarbeit Stelle für Stelle nach. Frag bei jedem Absatz: Sieht man, was von wem ist?

Beim letzten Schritt kann unser kostenloser Plagiat-Check helfen: Er zeigt dir Zitate ohne Beleg und gängige wissenschaftliche Standardformulierungen, also das, was einen Similarity Report aufbläht. Er ist kein Turnitin-Ersatz: Er vergleicht nicht mit einer Datenbank, gibt keinen Prozentwert aus und sagt nicht voraus, was Turnitin bei dir anzeigt. Der vollständige Bericht des KI-Checksenthält zusätzlich ein Kapitel „Quellen“, das deine Sätze mit öffentlichen Quellen wie Wikipedia und frei zugänglichen Fachartikeln vergleicht und Übereinstimmungen ohne Beleg markiert, ohne Wert. Bezahlte Fachzeitschriften und Arbeiten anderer Studierender kennt es nicht, und Umformulierungen oder Übersetzungen findet es nicht.

Häufig gestellte Fragen

Prüft Turnitin auf Plagiat?

Nicht im strengen Sinn. Turnitin schreibt in seinem eigenen Leitfaden für Studierende, dass es nicht auf Plagiate prüft, sondern deine Arbeit mit seiner Datenbank vergleicht und Übereinstimmungen markiert. Ob eine Übereinstimmung ein Plagiat ist, entscheiden die Lehrenden und die Prüfungsgremien deiner Hochschule.

Wie viel Prozent bei Turnitin sind okay?

Dafür gibt es keine feste Zahl. Turnitin selbst sagt, dass jede Hochschule, jede Lehrperson und jede Aufgabe einen anderen Anteil an Übereinstimmungen für akzeptabel halten kann. Korrekt zitierte Stellen werden ebenfalls als Treffer markiert. Frag deine Betreuung, ob es für deine Arbeit eine Erwartung gibt.

Kann ich als Student Turnitin kaufen?

Turnitin wird über Hochschulen lizenziert. Ob du es selbst nutzen kannst, hängt von deiner Hochschule ab: An der Universität des Saarlandes etwa können alle Mitglieder Turnitin mit ihrer Kennung nutzen, an der Uni Kassel nur in ausgewählten Lehrveranstaltungen nach Rücksprache. Frag im Prüfungsamt, im Schreibzentrum oder bei deiner Betreuung.

Wird meine Arbeit bei Turnitin gespeichert?

Das hängt von der Einstellung ab. Turnitin vergleicht unter anderem mit früher eingereichten Arbeiten. Die Uni Kassel schreibt, dass Texte wahlweise dauerhaft oder nur temporär gespeichert werden können. Wenn deine Arbeit gespeichert wird, kann eine spätere Arbeit von dir als Treffer gegen sie erscheinen.

Erkennt die Turnitin Plagiatsprüfung ChatGPT?

Der Similarity Report sucht nach Übereinstimmungen mit vorhandenen Texten. Frisch erzeugter KI-Text stimmt in der Regel mit keiner Quelle überein. Für KI-Text hat Turnitin einen eigenen, getrennten KI-Indikator, den deine Hochschule aktivieren kann oder nicht. Er arbeitet mit Mustern statt mit Quellen.

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