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Paraphrasieren in der Abschlussarbeit: Anleitung & Beispiel

Die kurze Antwort

Paraphrasieren heißt, den Gedanken einer Quelle in eigenen Worten und eigenem Satzbau wiederzugeben, ohne Anführungszeichen, aber immer mit Beleg. In einer Abschlussarbeit gehst du dafür so vor: Lies die Stelle, bis du sie verstehst, leg die Quelle weg, schreib den Gedanken aus dem Gedächtnis so auf, wie er in deine Argumentation passt, vergleiche dann mit dem Original, ob der Sinn stimmt und keine Formulierung übrig geblieben ist, und setz den Beleg mit Seitenzahl direkt an die Aussage. Nur Wörter durch Synonyme zu ersetzen reicht nicht: Wenn Satzbau und Reihenfolge gleich bleiben, ist es keine Paraphrase, und ohne Beleg ist es ein Plagiat.

Der Rest dieses Textes zeigt jeden Schritt einzeln, ein Beispiel mit einer schlechten und einer guten Fassung, die Belegregeln je nach Zitierstil und was Paraphrasier-Tools dabei tun und nicht tun.

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Was bedeutet paraphrasieren?

Eine Paraphrase ist ein indirektes oder sinngemäßes Zitat. Die Handreichung der Philosophie an der Universität Bielefeld beschreibt sie als sinngemäße Wiedergabe von Ausschnitten anderer Texte und nennt vier Bedingungen: Die Wiedergabe geschieht in eigenen Worten, der Sinn wird nicht verändert, die Paraphrase sagt nicht mehr als das Original, und sie steht in indirekter Rede im Fließtext.

Der Gedanke gehört also weiter der Quelle, nur die Sprache ist deine. Darum braucht eine Paraphrase genauso einen Beleg wie ein wörtliches Zitat. Was ohne Beleg passiert, erklären wir ausführlich in Was ist ein Plagiat?

Paraphrasieren oder zitieren: der Unterschied

Wörtlich zitierst du, wenn es auf den genauen Wortlaut ankommt. Der Zitierleitfaden der TU München nennt als Beispiele Definitionen, Normen und Gesetzestexte und rät in den Naturwissenschaften, direkte Zitate sparsam einzusetzen. In allen anderen Fällen ist die Paraphrase die bessere Wahl, weil sie zeigt, dass du die Quelle verstanden und für deine Frage verarbeitet hast.

Auch rechtlich ist das wörtliche Zitat an einen Zweck gebunden: Nach § 51 UrhG ist es zulässig, „sofern die Nutzung in ihrem Umfang durch den besonderen Zweck gerechtfertigt ist“, und § 63 UrhG verlangt dabei eine deutliche Quellenangabe. Seitenlange Blockzitate, die deinen eigenen Text ersetzen, sind deshalb nicht nur schlechter Stil.

Direktes ZitatParaphraseZusammenfassung
Wortlautexakt wie im Originaleigene Worte, eigener Satzbaueigene Worte, stark verkürzt
Umfangso kurz wie möglichetwa so lang wie die Stelledeutlich kürzer, oft ein ganzes Kapitel in wenigen Sätzen
Anführungszeichenja (oder eingerückter Block)neinnein
Belegimmer, mit Seitenzahlimmer, Seitenzahl je nach Stilimmer, mit Seitenbereich
WannDefinitionen, Normen, prägnante Formulierungen, TextanalyseArgumente, Befunde, PositionenÜberblick über eine Theorie oder ein Werk

Die Formalien für alle drei Formen stehen in unserem Überblick Richtig zitieren in der Bachelorarbeit.

Wie geht paraphrasieren? In fünf Schritten

  1. Verstehen. Lies die Stelle und den Absatz davor und danach. Kannst du den Gedanken in einem Satz jemandem erklären, der die Quelle nicht kennt? Wenn nicht, bist du noch nicht so weit. Wer nicht versteht, kann nur Wörter tauschen.
  2. Die Quelle schließen. Notiere dir Autor, Jahr und Seite, dann klapp das Buch zu oder minimiere das PDF. Solange der Originalsatz vor dir steht, schreibst du ihn ab, ob du willst oder nicht.
  3. In deiner eigenen Struktur schreiben.Schreib den Gedanken aus dem Gedächtnis auf, und zwar so, wie er deiner Argumentation dient: mit deinem Satzanfang, deiner Reihenfolge, oft kürzer als im Original. Führe die Quelle sprachlich ein („Kramer zeigt“, „Nach Kramer“) und bleib in indirekter Rede.
  4. Vergleichen. Leg jetzt beide Fassungen nebeneinander. Stimmt der Sinn? Sagt deine Fassung nicht mehr als das Original? Gibt es noch eine Folge von mehreren Wörtern, die gleich ist, oder einen Satz, der nur umgestellt ist? Dann formuliere neu oder setze genau diese Wörter in Anführungszeichen.
  5. Belegen, mit Seitenzahl. Setz den Beleg an die Aussage, nicht ans Ende eines langen Absatzes. Erstreckt sich eine Paraphrase über mehrere Sätze, mach durch die Einleitung klar, wo sie beginnt und wo deine eigenen Gedanken wieder einsetzen.

Wenn dir Schritt 3 schwerfällt, weil du in einer zweiten Sprache schreibst: Das geht vielen so. Kürzere Sätze helfen mehr als ausgefallene Wörter. Hinweise dazu stehen in unserem Text zum wissenschaftlichen Schreibstil.

Paraphrase belegen: vgl., APA und Harvard

Wie der Beleg aussieht, hängt vom Zitierstil ab, den dein Institut vorgibt. Der Unterschied liegt vor allem beim „vgl.“ (vergleiche):

  • Deutsche Zitierweise (Fußnoten):Die Paraphrase bekommt eine Fußnote, die mit „Vgl.“ beginnt, zum Beispiel Vgl. Kramer 2022, S. 47.Beim wörtlichen Zitat fehlt das „Vgl.“. Genau daran erkennt man in diesem Stil, welche Art von Übernahme vorliegt.
  • Harvard (Autor-Jahr im Text): Im deutschsprachigen Raum oft (vgl. Kramer 2022, S. 47). Ob das „vgl.“ nötig ist, ist Fachkonvention: Die Schreibberatung der Universität Göttingen hält in ihrem Foliensatz Richtig zitieren & paraphrasieren fest, dass bei Paraphrasen ggf. auf das „vgl.“ verzichtet werden kann, abhängig vom Fach.
  • APA 7: Kein „vgl.“, nur (Kramer, 2022) oder Kramer (2022) zeigt …. Laut APA Style ist eine Seitenzahl bei Paraphrasen nicht vorgeschrieben, aber erlaubt, wenn sie Lesenden hilft, die Stelle in einem langen oder komplexen Werk zu finden. Viele deutsche Institute verlangen sie trotzdem. Mehr dazu in unserem Leitfaden APA 7 zitieren.

Was in allen drei Stilen gleich ist: Ohne Beleg ist eine Paraphrase keine Paraphrase, sondern eine fremde Idee, die als deine eigene erscheint.

Paraphrasieren: Beispiel mit schlechter und guter Fassung

Hinweis:Die folgende „Quelle“ ist ein frei erfundenes Beispiel. Es gibt weder die Autorin Kramer noch das Werk von 2022. Wir haben die Stelle nur geschrieben, um daran zu zeigen, wie eine Paraphrase gelingt und wie sie misslingt.

Originalstelle (erfunden, „Kramer 2022, S. 47“):
„Studierende, die neben dem Studium mehr als fünfzehn Stunden pro Woche arbeiten, verschieben ihre Abschlussarbeit häufiger, weil ihnen zusammenhängende Schreibzeit fehlt. Entscheidend ist dabei weniger die Gesamtzahl der Stunden als die Zersplitterung der Woche.“

Schlechte Fassung (Synonyme getauscht, kein Beleg):
Studenten, die parallel zum Studium über fünfzehn Stunden wöchentlich jobben, schieben ihre Bachelorarbeit öfter auf, da ihnen durchgehende Schreibzeit fehlt. Ausschlaggebend ist hierbei weniger die Summe der Stunden als die Fragmentierung der Woche.

Jedes Satzglied steht an derselben Stelle wie im Original, nur die Wörter sind ausgetauscht. Der Gedanke, die Reihenfolge und sogar der Kontrast „weniger … als“ sind übernommen. Die Universität Duisburg-Essen beschreibt in ihren Materialien zu Plagiatsformen genau diesen Fall: Werden Texte umformuliert, ohne die Quelle anzugeben, spricht man von einem Paraphrasenplagiat, auch „verschleiertes Plagiat“ genannt. Dieselbe Quelle hält fest, dass so etwas schnell unabsichtlich entsteht, wenn beim Lesen und Exzerpieren nicht sorgfältig gearbeitet wird.

Und wenn man einfach einen Beleg dahintersetzt? Dann ist zwar die Herkunft genannt, aber die Formulierung ist immer noch nicht deine. Ein Text, der fast Wort für Wort dem Original folgt und nur ein „vgl.“ trägt, gibt vor, eine eigene Wiedergabe zu sein. Dieselben Materialien nennen eine Übernahme, die wie eine Paraphrase aussieht, aber den Wortlaut übernimmt, eine Scheinparaphrase. Der Ausweg ist nicht ein Beleg mehr, sondern eine echte Paraphrase oder ein ehrliches wörtliches Zitat.

Gute Fassung (eigener Aufbau, belegt):
Kramer führt Verzögerungen bei Abschlussarbeiten von Studierenden, die mehr als fünfzehn Wochenstunden erwerbstätig sind, nicht in erster Linie auf die Arbeitszeit insgesamt zurück. Ausschlaggebend sei vielmehr, dass eine auf viele einzelne Termine verteilte Woche kaum längere Schreibphasen zulasse.¹
¹ Vgl. Kramer 2022, S. 47.

Was hier anders ist: Der Satz beginnt mit der Autorin, nicht mit den Studierenden. Die Bedingung (mehr als fünfzehn Stunden) bleibt erhalten, weil sie zum Sinn gehört. Der Konjunktiv I („sei“, „zulasse“) zeigt, dass es Kramers Aussage ist. Und die Fassung behauptet nichts, was im Original nicht steht.

Do & Don't beim Paraphrasieren

Das hilft:

  • Erst verstehen, dann schreiben. Eine Paraphrase ist ein Test, ob du die Stelle verstanden hast.
  • Beim Exzerpieren markieren, was wörtlich ist. Setz in deinen Notizen jede abgeschriebene Formulierung sofort in Anführungszeichen und notiere die Seite. Viele unabsichtliche Plagiate entstehen Wochen später aus den eigenen Notizen.
  • Fachbegriffe behalten.Ein definierter Begriff wird nicht durch ein Synonym ersetzt. „Validität“ bleibt „Validität“.
  • Die Quelle sprachlich einführen.„Nach Kramer“, „Kramer argumentiert“ zeigt, wo die Paraphrase beginnt.
  • Deine eigene Bewertung klar abgrenzen. Erst wiedergeben, dann einordnen, und zwar in einem eigenen Satz.

Und lass es bleiben:

  • Nicht nur Synonyme tauschen. Gleicher Satzbau mit anderen Wörtern ist keine eigene Formulierung.
  • Nicht mit dem Original nebenan schreiben. Dann übernimmst du die Struktur, ohne es zu merken.
  • Nicht mehr hineinlesen, als dasteht.Aus „häufiger“ wird nicht „fast immer“.
  • Nicht einen Beleg für einen ganzen Absatz setzen, wenn nur ein Satz aus der Quelle stammt, oder umgekehrt.
  • Nicht aus einer Sekundärquelle paraphrasieren und die Primärquelle angeben, die du nie gelesen hast.

Paraphrasieren mit KI und Tools: ist das erlaubt?

Paraphrasier-Tools wie QuillBot oder ein Chatbot wie ChatGPT schreiben einen eingefügten Text neu: Sie tauschen Wörter, stellen Satzteile um oder formulieren ganz neu. Das sieht nach Arbeitsersparnis aus. Für eine Abschlussarbeit hat es vier Haken:

  • Die Struktur bleibt oft stehen. Viele Ergebnisse sind genau die schlechte Fassung aus dem Beispiel oben: andere Wörter, gleicher Gedankengang. Das Tool hat für dich Synonyme getauscht. Eine Paraphrase im Sinn deines Fachs ist das nicht.
  • Der Sinn verrutscht.Ein Tool kennt dein Fach nicht. Es ersetzt Fachbegriffe, macht aus „häufiger“ ein „meistens“ oder streicht die Einschränkung, auf die es ankam. Du musst jeden Satz gegen das Original prüfen, und dann bist du wieder bei Schritt 4.
  • Die Quelle geht verloren. Das Ergebnis trägt keinen Beleg und keine Seitenzahl. Wer neu formulierten Text ohne Beleg einfügt, hat ein Paraphrasenplagiat, egal wer formuliert hat. Wie das bei Chatbots im Einzelnen aussieht, steht in ChatGPT und Plagiat.
  • Es kann eine unzulässige Hilfe sein. Ob ein Paraphrasier-Tool erlaubt ist, entscheidet deine Prüfungsordnung, und viele Hochschulen verlangen, dass du KI-Hilfsmittel angibst. Lies nach, was für dich gilt, in KI in der Bachelorarbeit: was erlaubt ist, und kennzeichne die Nutzung, wenn sie verlangt ist, zum Beispiel mit unserem KI-Verzeichnis nach Vorlage.

Was ein Tool nicht kann: den Gedanken für dich verstehen. Genau das ist aber der Teil, den deine Prüfenden bewerten und den du im Kolloquium erklären musst. Schreib deshalb nicht darauf hin, wie ein Text bei irgendeiner Software aussieht, sondern für die Person, die ihn liest.

Vor der Abgabe prüfen

Bevor du abgibst, lohnt ein zweiter Blick auf deine eigenen Paraphrasen, am besten mit etwas Abstand. Zwei kostenlose Prüfungen helfen dabei, ohne Konto:

  • Plagiat-Check: zeigt dir die konkreten Sätze, die auffallen, etwa Übernahmen ohne Anführungszeichen und Beleg oder akademische Standardformulierungen. Er gibt dir keinen Ähnlichkeitsprozentwert, sondern die Stellen selbst. Warum ein Prozentwert ohnehin wenig sagt, steht in Wie viel Prozent Plagiat sind erlaubt?
  • KI-Check: markiert Satz für Satz, was ihm auffällt, und gibt dir ein Ergebnis in Grün, Gelb oder Rot mit einem Bericht zum Herunterladen. Für einen Auszug kostenlos, ohne Anmeldung.

Markiert der Bericht Formulierungen wie Floskeln oder sehr lange Sätze, kannst du sie selbst überarbeiten oder nachlesen, was unsere Sprachliche Überarbeitung dabei ändert und was nie.

Häufig gestellte Fragen

Reicht es, beim Paraphrasieren Synonyme einzusetzen?

Nein. Wenn Satzbau und Gedankengang der Quelle stehen bleiben und nur einzelne Wörter ausgetauscht werden, ist das keine Wiedergabe in eigenen Worten. Ohne Beleg ist es ein Paraphrasenplagiat, und auch mit Beleg bleibt es eine Übernahme fremder Formulierung, die nicht als solche gekennzeichnet ist.

Muss ich bei einer Paraphrase die Seitenzahl angeben?

In der deutschen Zitierweise und in Harvard-Varianten ja, fast immer. APA 7 schreibt sie bei Paraphrasen nicht vor, erlaubt sie aber und empfiehlt sie bei langen oder komplexen Werken. Viele Institute verlangen sie trotzdem durchgehend. Der Leitfaden deines Instituts geht vor.

In welcher Zeitform paraphrasiert man?

Paraphrasen stehen in indirekter Rede. Üblich ist ein einleitendes Verb im Präsens („Kramer zeigt“, „Kramer argumentiert“) und danach der Konjunktiv I („entscheidend sei“), damit klar bleibt, dass die Aussage von der Quelle stammt und nicht von dir.

Ist paraphrasieren mit KI erlaubt?

Das entscheidet deine Prüfungsordnung, nicht das Tool. Viele Hochschulen verlangen, dass du KI-Hilfsmittel angibst, manche verbieten sie für bestimmte Arbeiten. Lies die Regeln deines Fachs und kennzeichne die Nutzung, wenn sie verlangt ist. Eine Paraphrase braucht in jedem Fall einen Beleg zur Originalquelle.

Wie viele Paraphrasen darf eine Abschlussarbeit haben?

Es gibt keine Obergrenze. In den meisten Fächern ist die Paraphrase die normale Form, mit Literatur zu arbeiten. Entscheidend ist, dass jede belegt ist und dass deine eigene Argumentation zwischen den Paraphrasen sichtbar bleibt.

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